St. Johannis-Kirche Rahden
"Wer einen Raum betritt, beginnt ein Gespräch. Und dem, der versteht aufmerksam zuzuhören, dem erzählen die Steine ihre Geschichte. Sie berichten von den Wandlungen der Zeit, von den Menschen, die in ihnen lebten, von dem, was noch heute unser Leben prägt. Und ist der Raum ein kirchliches Gebäude, so erzählen sie auch von dem Glauben, dem Leid und der Hoffnung der Menschen. Sie wollen Gott loben, das Evangelium verkündigen, Mahnung sein und Zuspruch geben bis zum heutigen Tag."
Den Anfang macht eine Sage. Sie erzählt, dass der Bischof Gerhard I., Graf von Schaumburg, auf seinem Zug nach Rahden beim Anblick des kleinen elenden Kirchleins dort dem Apostel Johannes eine neue Kirche gelobt habe, wenn die dortige Burg in seine Hand falle. Das scheint auch gelungen zu sein. Der mächtige Bau der St. Johannis-Kirche dokumentiert dies seit Jahrhunderten.
1353 – Die St. Johannis-Kirche wird gegründet
Als Gründungsjahr der Kirche ist das Jahr 1353 belegt. Zugleich hat der Bischof das »Haus Rahden« gekauft, vermutlich eine alte tecklenburgische Besitzung in Kirchennähe, um damit der neuen Gemeinde auch eine wirtschaftliche Grundlage zu geben. Bis heute erinnert der Name Wehme daran. Er lässt sich von Widum ableiten, was Pfarrgut bedeutet. Eine Parochie gab es in Rahden bereits 1274. Fünf Jahre später wird der Geistliche Dethard genannt, der sich mit dem Dielinger Pfarrer Burchhard im Streit befand. Es lässt sich leicht vorstellen, worum es ging: Rahden gehört zur alten fränkischen Gemeinde Dielingen und es will selbstständig werden. Gerade dies bringt der Kirchenbau sinnfällig zum Ausdruck.
Der Besiedlungsschwerpunkt in jener Zeit war Wehe, wo eine »Klus«, eine Kapelle, stand, die Johannes dem Täufer geweiht war. Vermutlich stand in Rahden auch eine kleine Kapelle. Darüber bekannt ist allerdings nichts. Bischof Gerhard war ein weitsichtiger Mann. Er wählte den Standort bewusst aus, hier sollte sich Rahden entwickeln. Und er hat recht behalten. Als sein Nachfolger Bischof Dietrich II. zum Einweihen kam, ist ein stattlicher Kirchenbau entstanden im Übergangsstil zwischen Romanik und Gotik. In dem einschiffigen Gottesdienstraum liefen drei leicht geschwungene Gewölbe in den Schlusssteinen zusammen.
Das Kircheninnere
Einen Eindruck, wie man sich das Kircheninnere vorzustellen hat, vermittelt der Eingang. Dort sehen wir romanische Reliefe und ein kuppelartiges Kreuzgewölbe, was wiederum für die frühe Gotik typisch ist. Im Eingang findet sich auch der alte Taufstein. Aus der umlaufenden Aufschrift in gotischen Lettern ließ sich nur noch die Jahreszahl 1414 entziffern sowie der Name Borchard Haverbecke. Er war damals Geistlicher in Rahden. In der Zeit der Spätgotik kam es eventuell zu einer Neugestaltung der Gewölbe, die Schlusssteine und wiedergefundene Steine aus dem alten Kircheninneren legen die Vermutung nahe.
1581 - Die Aufstockung des Turmes
Neben dem Taufbecken ist über dem Aufgang zum Turm die Zahl 1581 eingemeißelt. In diesem Jahr hat der Schaumburger Bischof Heinrich dem Turm, seine heutige Höhe von 56 Metern, gegeben. Vielleicht hat er auch den Kircheneingang vom Süden zum Westen hin verlegt. Das würde die Jahreszahl 1581 auch über dem Portal erklären.
16. Jahrhundert - Rahden wird evangelisch
In den Jahren des Dreißigjährigen Krieges wirkte Pfarrer Andreas Rottlandt in Rahden. Das Stadtarchiv bewahrt ein Dokument auf, das er eigenhändig unterschrieben hat. Er war der erste bekannte evangelische Geistliche der Gemeinde. Da der Rahdener Plebanus (Dorfpriester) 1549 nicht auf der Lübbecker Synode erschien, wo das lutherische Bekenntnis verteilt werden sollte, wurde er daraufhin exkommuniziert. Rahden wurde stillschweigend evangelisch und blieb es auch durch die Zeit hindurch.
1660 - Der Anbau zum Norden hin
Der Turm gab den Menschen Schutz in der Kriegszeiten. Davon erzählt noch manche Spur, die sich im Turminnern entdecken lassen, besonders während der Zeit des Dreißigjährigen Krieges wurde schlimm in Rahden gewütet. Da wird es vorstellbar, dass in den Jahren nach Kriegsende die Kirche so gefüllt war, dass die Menschenmenge nicht mehr in die Kirche passte. Zum Norden entstand daraufhin 1660 ein schlichter Anbau mit einem leichtgeneigten Holzdach. Das Spenden flossen zeigen die Bronzeleuchter aus jener Zeit. 1688 wurde dann auch die zweite Pfarrstelle errichtet. Eine Neugestaltung des Kircheninneren brachte dann das frühe 18. Jahrhundert mit sich. Eine Barocktaufe von 1709 löste den alten Taufstein ab. Auch die Orgel erhielt einen neuen Prospekt.
1789- Der Umbau
Der Grundriss sollte nun symmetrisch angelegt werden, die Einrichtung selbst dem Zeitgeschmack entsprechen. Das Interieur wurde frühklassizistisch gestaltet. Von dem einstigen Kircheninneren zeugen nur noch die drei Schlusssteine, die in die erweiterte Sakristei eingefügt wurden. Unter freiem Himmel versammelte sich die Gemeinde während der Bauzeit zum Gottesdienst, bis am 25. Oktober (höchstwahrscheinlich 1789) die Kirche feierlich eingeweiht werden konnte.
Zwölf eichene Säulen tragen das Kirchendach, sie versinnbildlichen die zwölf Apostel. Das Augenmerk fällt auf die Kanzel über dem Altar. Etwas ungelenk erscheint der Spruch »Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren« in das Holz der Kanzel geschnitzt. Er soll den Blick für das lutherische »Das Wort allein« schärfen und immer wieder zurück zum Eigentlichen der Verkündigung lenken.
Die Orgel
Stilelemente des Barock, wie die großen Schnörkel, mischen sich mit dem typisch klassizistischen Stil, wie den aufgemalten Säulen und den Girlanden. Auch die Barockorgel wurde dem Zeitgeschmack angepasst und trägt nun stolz die Jahreszahl der Umgestaltung "1789".
Weitere Infos unter: www.kirchengemeinde-rahden.de