News aus dem Rathaus

Informationen zur Kommunalen Wärmeplanung der Stadt Rahden

Wärmewende für Rahden

Der weltweite Klimawandel stellt uns vor große Herausforderungen. Und die Folgen extremer Wetterereignisse – wie Dürreperioden, Starkregen oder Sturmschäden – treffen auch unsere Stadt. Um diesen Trend abzuschwächen, haben sich die Europäische Union und die Bundesrepublik Deutschland ambitionierte, gesetzlich verankerte Klimaziele gesetzt: Deutschland will bis zum Jahr 2045 klimaneutral werden, die EU bis 2050.

Rund ein Drittel des gesamten deutschen Endenergieverbrauchs entfällt auf die Erzeugung von Raumwärme und Warmwasser. Weil dieser Bereich heute immer noch zu einem sehr großen Teil durch das Verbrennen von fossilem Öl und Gas gedeckt wird, ist die Wärmewende (der Umstieg auf erneuerbare Energien zur Wärmeproduktion) der entscheidende Hebel, um die Treibhausgasemissionen drastisch zu senken. Denn Klimaneutralität bedeutet, dass nur noch so viele Emissionen verursacht werden dürfen, wie die Natur – zum Beispiel unsere heimischen Wälder –aufnehmen und binden kann.

Die kommunale Wärmeplanung ist nun ein strategisches Steuerungsinstrument, um die Wärmeversorgung in unserer Stadt zukunftssicher und klimafreundlich auszurichten. Ihr Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie fossile Energieträger wie Öl und Gas schrittweise durch erneuerbare Energien ersetzt werden können.

Es gibt jedoch auch finanzielle Gründe für die Wärmeplanung, denn wir wollen, dass die Wärmeversorgung langfristig bezahlbar bleibt. Das Heizen mit fossilen Energieträgern wird nämlich künftig teurer werden. Der Verbleib bei alten Öl- und Gasheizungen birgt in den kommenden Jahren erhebliche finanzielle Risiken. Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Der CO₂-Preis steigt kontinuierlich: Durch den nationalen und europäischen Emissionshandel wird der Ausstoß von CO₂ schrittweise verteuert. Wer fossile Brennstoffe nutzt, muss von Jahr zu Jahr höhere Abgaben zahlen.
  • Geopolitische Unsicherheiten: Erdöl und Erdgas werden zu großen Teilen importiert. Regionale Konflikte und internationale Marktschwankungen führen zu unvorhersehbaren Preissprüngen. Iran und Ukraine Krieg haben uns gezeigt, wie schnell das gehen kann.
  • Steigende Netzentgelte: Je mehr Haushalte auf erneuerbare Alternativen umsteigen, desto weniger Verbraucher teilen sich künftig die Betriebskosten der verbleibenden Gasnetze. Das lässt die Gebühren für die verbliebenen Gaskunden ansteigen.

Natürlich sind der Heizungstausch und eine Sanierung einer Immobilie eine finanzielle Herausforderung für Eigentümerinnen und Eigentümer, doch er wird sich trotzdem für Sie lohnen:

  • Effizienzsteigerung: Moderne Systeme wie Wärmepumpen nutzen Umweltwärme und benötigen nur einen Bruchteil an elektrischer Energie im Vergleich zu fossilen Verbrennungssystemen.
  • Unbegrenzte Verfügbarkeit: Während fossile Ressourcen (Öl, Gas, Kohle) endlich sind und sich erschöpfen, stehen Sonne, Wind, Geothermie und Wasserkraft unbegrenzt zur Verfügung.
  • Wertsicherung von Immobilien: Gut gedämmte Gebäude mit zukunftsfähigen Heizsystemen behalten ihren Marktwert.
  • Regionale Wertschöpfung: Investitionen fließen in das lokale Handwerk und die heimische Infrastruktur anstatt in den Import fossiler Rohstoffe aus dem Ausland.
  • Geopolitische Unabhängigkeit: Die dezentrale Erzeugung im eigenen Land reduziert die Erpressbarkeit durch fossile Exportländer und vermeidet Konflikte um knappe Rohstoffe.
  • Dezentrale Netzstruktur: Viele kleine und mittelgroße Erzeugungsanlagen machen das Energiesystem widerstandsfähiger gegen großflächige Ausfälle, Naturkatastrophen oder gezielte Angriffe im Vergleich zu wenigen Großkraftwerken.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Die kommunale Wärmeplanung basiert auf klaren gesetzlichen Leitplanken von Bund und Ländern. Diese Gesetze greifen eng ineinander, um den schrittweisen Übergang zu einer nachhaltigen Wärmeversorgung rechtsverbindlich und verlässlich zu regeln:

  • Das Bundes-Wärmeplanungsgesetz (WPG): Seit dem 1. Januar 2024 verpflichtet das bundesweite Gesetz die Länder und Kommunen zur Erstellung strategischer Wärmepläne.

https://www.gesetze-im-internet.de/wpg/WPG.pdf

  • Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG): Das Gesetz regelt die konkreten energetischen Anforderungen an Heizungsanlagen und die Gebäudehülle von Wohn- und Nichtwohngebäuden.

Gesetzestext: Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG)
https://www.gesetze-im-internet.de/geg/

 

  • Landesrechtliche Umsetzung in NRW: Die Bundesländer regeln die genaue Zuweisung der Aufgaben an die Kommunen per Landesrecht.

Rechtliche Grundlagen des Landes NRW
https://recht.nrw.de/gvnrw/2024-s1177-0/

 

Wichtig: Der kommunale Wärmeplan ist ein strategisches Planungsinstrument und nicht rechtsverbindlich. Das bedeutet, dass aus der fertigen Wärmeplanung weder für die Bürgerinnen und Bürger noch für die Stadt Rahden unmittelbare rechtliche Pflichten oder Leistungsansprüche entstehen.

Wie läuft die Wärmeplanung ab?

Der Entstehungsprozess des kommunalen Wärmeplans erfolgt in vier systematischen Phasen:

  1. Bestandsanalyse: Zunächst erfassen wir anonymisiert den aktuellen Wärmebedarf sowie die vorrangig genutzten Energieträger und Baualtersklassen der Gebäude in Rahden.
  2. Potenzialanalyse: Wir untersuchen, welche erneuerbaren Wärmequellen zur Verfügung stehen. Dazu zählen unter anderem Umweltwärme aus Luft und Erdreich, Solarthermie sowie nachhaltig gewonnene Biomasse.
  3. Zielszenario: Auf Basis der Daten entwickeln wir ein Zukunftsszenario für das Jahr 2045, das aufzeigt, wie die CO₂-freie Wärmeversorgung in Rahden schrittweise erreicht werden kann.
  4. Wärmewendestrategie: Schließlich erarbeiten wir konkrete Handlungsempfehlungen, Prioritäten und Fahrpläne für die Umsetzung der Wärmewende.

Sie Fragen, wir antworten

Was bedeutet die Wärmeplanung für Mieter und Hausbesitzer?

Für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer

  • Der kommunale Wärmeplan ist ein strategisches Planungsinstrument der Stadt. Er erlegt privaten Eigentümern keine direkte Pflicht auf, eine funktionierende Heizung umgehend auszutauschen.
  • Sobald eine Heizungserneuerung ansteht, bietet Ihnen der Wärmeplan Transparenz darüber, welche Lösung für Ihre Lage besonders zukunftsfähig ist.

Für Mieterinnen und Mieter

  • Indem Vermieter frühzeitig auf erneuerbare und effiziente Heizsysteme umsteigen, bleiben die Nebenkosten für Wärme auch in Zukunft kalkulierbar.
  • Moderne, nachhaltig beheizte Gebäude sichern langfristig einen hohen Wohnstandard und steigern den Wert des Gesamtwohnumfelds.

Wie wird zukünftig in Rahden geheizt?

Da Rahden durch eine ländliche Struktur geprägt ist, lässt sich keine universelle Gesamtlösung über das gesamte Stadtgebiet stülpen. Die Wärmeversorgung der Zukunft wird in Rahden dezentral erfolgen. Das bedeutet, dass individuelle Lösungen wie Wärmepumpen, moderne Biomasseheizungen oder Erdwärme notwendig sind.

Muss ich meine funktionierende Öl- oder Gasheizung sofort ausbauen?

Nein. Ein funktionierendes Heizsystem kann grundsätzlich weiter betrieben und repariert werden. Die kommunale Wärmeplanung verpflichtet niemanden zu einem spontanen Herausreißen funktionierender Anlagen. Wenn jedoch eine neue Heizung eingebaut wird, greifen die Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes bzw. Gebäudemodernisierungsgesetzes die schrittweise höhere Anteile erneuerbarer Energien fordern.

Greift die Stadt Rahden mit der Wärmeplanung in mein Privateigentum ein?

Nein, die Stadt schreibt Ihnen mit dem Wärmeplan nicht vor, welche Marke oder welches System Sie in Ihrem Haus installieren müssen. Sie entscheiden. Die Verbraucherzentrale berät Sie gern: https://www.verbraucherzentrale.nrw/beratungsstellen/minden

Wer hilft mir beim Heizungstausch?

Die Stadt Rahden verfügt über keine eigenen Energieberater, vermittelt aber gern einen Kontakt. Hier eine Auswahl an Anlaufstellen:

Welche Förderungen kann ich beim Heizungstausch nutzen?

  • Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) – Zuschüsse und günstige Kredite für moderne Heizsysteme
  • KfW-Förderprogramme – für Sanierung und Neubau
  • Energieberatung – über z. B. die Verbraucherzentrale

Lassen Sie uns im Gespräch bleiben.

Die Wärmewende gelingt nur gemeinsam. Haben Sie Fragen, Ideen oder Anregungen zur kommunalen Wärmeplanung in Rahden? Dann melden Sie sich gern bei uns.

Ansprechpartner:

Stadt Rahden
Michael Duffe
Sachgebietsleitung
Bauen und Stadtentwicklung – Bauen und Wohnen
Adresse: Lange Str. 9 32369 Rahden
Telefon: +49 5771 73-65
E-Mail: M.Duffe@rahden.de