Das Haupthaus

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Das Haupthaus Museumshof Rahden

DIE DEELE

Die Deele ist aus Lehm gestampft, nur der Pferdegang zu den Ställen ist gepflastert. Die Pferde waren links und rechts neben der Deelentür eingestellt, damit sie schnell eingesetzt werden konnten. Sie waren ein großes Kapital für den Bauern und mussten besonders beobachtet werden. Diese Aufgabe fiel dem Knecht zu, der oberhalb eines Stalles seine Schlafkammer hatte, zu der eine Holzleiter führte.

So wie dieser Hof besaßen früher die mittelständischen Bauernhöfe zwei Pferde und wurden darum auch als Zweispännerhöfe bezeichnet.

Großtiere wurden gern mit ins Haus genommen, weil sie durch ihre Körpertemperatur das Haus erwärmten. Darum waren auch Kühe und Rinder rechts und links der Deele in ihren Stallungen untergebracht.

Die Hühner hatten ihren Platz oberhalb des Pferdestalles. Die Körbe zum Eierlegen wurden oberhalb der Futterstelle für die Kühe angebracht.

Fünf bis sechs Kühe fanden in den Kübungen Platz. Sie wurden von der Deele aus in den Stall gelassen, indem die Holzstößel vor den Ställen herausgenommen wurden. Es wurde hochgemistet, die Jauche lief über. So wurde die Deele getränkt, um den Lehm zu festigen.

Deele im Haupthaus Museumshof Rahden
Dreschen Museumshof Rahden
Dreschen Deele Haupthaus Museumshof Rahden

DAS DRESCHEN

Nach der Getreideernte wurde das Korn auf dem Balken gelagert, um es im Winter zu dreschen. Vom einfachen Dreschflegel bis zur ersten Dreschmaschine von 1870 sind alle Geräte ausgestellt, wie die Wurfschippe und die Wehwanne zum Reinigen des Korns. Die Wehmühle, welche dieselbe Aufgabe erfüllte, war bereits eine technische Weiterentwicklung.

Das gedroschene Stroh wurde auf die Hiele – den Raum über dem Kuhstall – gepackt. Es diente den Kühen als Raufutter, nicht zur Einstreu, da das Stroh viel zu kostbar war. Als Einstreu wurden Grassoden oder geschnittene Heide genommen.

Um das Stroh weiterzuverarbeiten, musste es geschnitten werden. Die notwendigen Geräte zum Strohschneiden, vom einfachen Strohschneider bis zum Strohschneider mit der Lade und der Häckselmaschine, sind in der Ausstellung auf der linken Seite zu sehen.

Feuerstelle Museumshof Rahden Haupthaus

Die Feuerstelle

Eintopf ist die Hauptmahlzeit des Tages. Darum ist die Feuerstelle mit dem Kochkessel im Zentrum des Fletts zu sehen. Flett ist eine niederdeutsche Bezeichnung für den offenen Raum am Ende der Deele. Das war der Arbeitsbereich der Bäuerin. Der Kessel hängt an einem Kesselhaken, durch den die Temperatur reguliert wird. Entweder man legt einen Zacken zu oder man lässt einen Zacken nach. Die Redewendung ist bis heute erhalten geblieben.

Mit der Feuerstülpe kann das Feuer abgedeckt werden, um das Haus vor Funkenflug zu bewahren und um freilaufende Hunde, Katzen und Hühner sowie die Kleinkinder zu schützen.

Der Feuerschirm oder Feuerrahmen oberhalb der Feuerstelle schützt ebenfalls das Haus und leitet den Rauch so, dass die Fleischwaren im Wiemen geräuchert werden können. Auch der Rauch vom Beilegeofen, niederdeutsch Bilegger, in der Spinnstube unterstützt die Räucherei.

Rechts von der Feuerstelle hängt der Salzkasten. Das Salz musste sorgsam an der trockenen Innenseite des Fletts gehütet werden, denn Salz war kostbar. Es wurde in der Vorratswirtschaft in großen Mengen gebraucht zum Pökeln, Einsalzen des Fleisches, des Schinkens und der Speckseiten, bevor sie in den Rauch gehängt wurden. Außerdem wurde viel Salz zur Sauerkrautbereitung benötigt und für die Herstellung von Sauerbohnen.

 

Feuerstelle im Haupthaus des Museumshofs Rahden
Sitzecke Museumshof Rhaden
Sitzecke Haupthaus Museumshof Rahden

DIE SITZECKE

In dieser Gegend mit vielen Familienbetrieben war es üblich, dass Knecht und Magd mit der Familie gemeinsam am Tisch aßen. Alle Kinder fanden oft nicht gemeinsam Platz, so dass in Etappen gegessen werden musste.

Es wurde nur eine Schüssel mit Mittagessen – meistens Eintopf – aufgedeckt, aus der sich jeder mit seinem eigenen Holzlöffel bediente. Nach dem Essen sorgten alle dafür, dass der eigene Löffel wieder sauber wurde. Jeder behielt seinen Löffel so lange, bis er starb. Daraus entstand die Redewendung: „den Löffel abgeben“.

Das Schneiden des ca. 10 kg schweren Schwarzbrotes war Männersache. Entweder der junge Ehemann oder der Knecht, der meist auch jung an Jahren war, konnte diese Tätigkeit bewältigen.

Stube im Haupthaus Museusmhof Rahden

Die Stube

Die Stube in der Mitte des Kammerfachs ist mehr Arbeitsraum als Wohnstube. Sie wird Spinnstube genannt, weil alle Geräte zum Spinnen und Weben hier in den Wintermonaten von November bis März zum Einsatz kamen. Hier wird die Einrichtung mit aufgeschlagenem Webstuhl, einem Spinnrad, einem Spulrad und einer Haspel gezeigt.

Es ist der einzige Raum, der durch den gusseisernen Ofen beheizbar war, denn zum Werkeln wurden warme Finger gebraucht.

Spinnrad Museumshof Rahden
Museusmhof Haupthaus Schlafzimmer alte Leute
Schlafkammer Museumshof Rahden alte Leute

DIE KAMMER DER ALTEN LEUTE

In der Schlafkammer der alten Leute befindet sich ein Himmelbett mit „Help up“ und „hoher Kante“. „Help up“ ist niederdeutsch und bedeutet wörtlich aufhelfen. Er ist nur im Bett der Altenkammer zu finden. Die hohe Kante gab es auch nur im Bett der Altenkammer. Nach alten patriarchalischen Besitzverhältnissen hatten die Alten das Sagen, ihnen gehörte der Hof. Sie hatten das Geld – wenn vorhanden – und besaßen die notwendigen behördlichen Dokumente, die am Fuße des Bettes in einem Schließfach – der hohen Kante – lagen.

In diesem Raum befindet sich die Nottür, auch Fluchttür genannt, die sich nur von innen aufstoßen lässt und es den Bewohnern ermöglichte, im Falle eines Brandes nach außen zu fliehen.

Museusmhof Haupthaus Schlafzimmer junge Leute

Die Kammer der jungen Leute

In der Schlafkammer der jungen Leute steht der Bettkasten, die Kiste. Die Redewendung: „ab in die Kiste“ wird auch heute noch von Eltern benutzt, die ihre Kinder ins Bett schicken.

Durch die Strohunterlage und das dicke Federbett mit zusätzlichem Pfühl mussten die jungen Bauersleute im Winter nicht frieren. Oft schliefen noch Kleinkinder mit im Bett. Wenn dann die Klappe geschlossen wurde, war es zwar eng, aber warm.

Museumshof Kammer junge Leute